LEADER Leitprojekt „Leben im Dorf“

 

 

Umsetzung in Bärenthal

 

 

  1. Gemeinderat

     

 

In seiner Sitzung vom 10. Juni 2008 hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, sich am Leitprojekt „Leben im Dorf“ zu beteiligen.

 

In der Sitzung vom 05. August 2008 befasste sich der Gemeinderat mit den Planern, die sich nach einer Honorarabfrage beworben hatten, und beschloss, dem Büro Sennner, Überlingen, den Auftrag zu erteilen.

 

Bürgermeister Roland Ströbele berichtete dem Gemeinderat regelmäßig über

den Verlauf des Projektes und erwähnte auch in den öffentlichen Sitzungen, dass die Europäische Union (EU) das Leitprojekt ganz bewusst gefördert hat. Sie  trete für eine nachhaltige Innenentwicklung ein. Deswegen würden  Mittel aus dem „Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER)  eingesetzt.

 

  1. Datenmaterial

     

 

Als vorteilhaft erwiesen sich die unabhängig vom Leitprojekt erstellten Unterlagen:

·        Gemeindeentwicklungskonzept vom Oktober 2007

·        Erhebung Gebäudenutzung

·        Übersichtsplan Versorgungsstruktur und Gebäudenutzung vom 31. Janaur 2007

 

  1. Sensibilisierung der Bevölkerung

     

 

Durch das  EU-Projekt „Pro Lebensqualität“ in den Jahren 2005 – Frühjahr 2008 wurde die Bevölkerung mit partizipativen Prozessen vertraut gemacht.

Zahlreiche Projektteams befassten sich mit der Zukunftsfähigkeit ihrer Gemeinde. „Zukunftspanorama“ nannte sich eine große Befragung, die mit  einer Rücklaufquote von 89 % nicht nur beachtlich, sondern überaus aufschlussreich war.

 

 

  1. Bürgerbeteiligung

     

 

Durch das vorausgehende Interreg III A – Projekt „Pro Lebensqualität“ musste der Ansatz für „Leben im Dorf“ ein anderer wie bei den sonst beteiligten Gemeinden sein. Die Grundlagen waren sowohl tatsächlich als auch im Bewusstsein der Bevölkerung bereits vorhanden. Eine neue Zielrichtung galt der Siedlungsentwicklung.

 

Die Gemeinde Bärenthal ist zu 96 % mit Schutzvorschriften versehen, die eine bauliche Entwicklung auf diesen Flächen nicht erlaubt. Aus diesem Grunde und dem übergeordneten Ziel folgend, den Flächenverbrauch zu minimieren, ist es der Gemeinde ein Anliegen, eine Innerortsentwicklung zu fördern.

 

Da die Gebäudeleerstände bekannt waren (siehe unter 2.), wurden die Eigentümer persönlich angeschrieben. Es hat sich gezeigt, dass der diskrete Weg richtig war. Dort wo Fragen offen blieben, wurde die angebotene Möglichkeit, sich zu erkundigen, genutzt.

 

Wiederum direkt wurden die Eigentümer von „Baulücken“ über die künftige Verwendung befragt.

 

Ganz allgemein muss hier allerdings angemerkt werden, dass die freien Grundstücke im Ort durch ihre Steillage topographisch für eine Bebauung meist ungünstig sind. Die Gemeinde bemühte sich, bei Anfragen von Bauwilligen auf die Baulücken hinzuweisen, soweit die Eigentümer verkaufswillig sind. Leider blieb das bisher –vor allem aus den genannten Gründen – erfolglos.

 

Durch den sich abzeichnenden demografischen Wandel zeigt sich – noch nicht akut, aber im Laufe der Jahre eindeutig -, dass weitere Gebäude zur Wohnnutzung frei werden.

 

Breit wurde über das gesamte Anliegen „Leben im Dorf“ in der Bürgerversammlung am 03. April 2009 berichtet. Die Befragungsergebnisse wurden unter Wahrung der Privatsphäre ebenso vorgestellt wie auch die Bemühungen der Bürgerinitiative „Schnelles Internet für Bärenthal“, einer Arbeitsgruppe, die das Leben im Dorf mit Perspektive vertritt.

Eine weitere Bürgerversammlung, bei der aufgefordert wurde, neue Themen zu besetzen, fand lediglich im kleinen Rahmen statt.

 

  1. Zwischengemeindlicher Austausch

     

 

Die Vertreter der Gemeinde nahmen an allen Werkstattterminen und der Schlussveranstaltung in Obernheim teil. Der interkommunale Austausch war wertvoll. Es konnte festgestellt werden, welche gemeinsamen Sorgen und Aufgaben anstanden. Lösungsansätze wurden erarbeitet, ohne dass Kopien versucht werden. Bei allen Gemeinsamkeiten muss jede Gemeinde ihre unverwechselbare Eigenart und Individualität bewahren. Nur so wird das Leben im Dorf attraktiv bleiben oder noch mehr werden.

 

  1. Schwerpunkt

     

 

Wie schon aus den bisherigen Ausführungen hervorgeht, ist die flächensparende Siedlungsentwicklung das zentrale Thema für Bärenthal im Rahmen des Leitprojekts „Leben im Dorf“.

 

Besondere Sorge bereitete den Gemeindeverantwortlichen das seit 30 Jahren leer stehende Gebäude des ehemaligen Hotels Ziegler. Das stattliche, von weit her einsehbare, sich am Ortseingang befindliche Haus droht im Laufe der Jahre unansehnlich zu werden und zu verfallen. Angeregt vom Austausch unter den Gemeinden und mit den Planern bei den Werkstattgesprächen wurde wiederholt mit den Eigentümern aus der Schweiz verhandelt. Es sollte ein Preis erzielt werden können, der für einen Kauf Anreiz bietet und die auf jeden Fall für eine Nutzung notwendig werdende bauliche Veränderung tragbar hält. Zwischenzeitlich gelang es, die Verkaufsbereitschaft sowie einen moderaten Preis für die Immobilie zu vereinbaren.

Es kann nun, Förderung nach LEADER vorausgesetzt, die Gewerbebrache reaktiviert werden. Der Zuschussantrag wurde gestellt.

 

Ein leer stehendes Wohngebäude aus dem 19. Jahrhundert soll nun ebenfalls einer wohnbaulichen Verwendung nach grundlegender Sanierung zugeführt werden. Auch hier sind die Fördervoraussetzungen gegeben. Der Eigentümer ist gewillt, mit dem Bau gleich nach der Bewilligung des LEADER-Zuschusses  zu beginnen.

 

Weitere Anfragen zeigen, dass die Gemeinde auf dem richtigen Wege ist.

 

 

  1. Fazit

     

 

„Gut Ding will Weile haben!“

 

 

 „Leben im Dorf“ hat in Bärenthal das Bewusstsein ausgelöst, wie wertvoll es sein kann, mitten im Dorf zu wohnen, und welchen Charme alte Häuser entwickeln können. Wir sind überzeugt, dass gute Beispiele zu positiven Nachahmungen führen werden.

 

Damit ist eine von sicher mehreren Zielsetzungen des Leitprojekts erreicht worden.